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Rabenmutter oder Mutterglück?


Nina Petri
Nina Petri
29.05.2007 - Die Tagung "Rabenmutter und Mutterglück" von wellcome in Kooperation mit der Körber-Stiftung stand ganz im Zeichen von Muttertag.

Die Hamburger Schauspielerin Nina Petri eröffnete die Tagung mit einem hinreissenden Bekenntnis zur Rabenmutter. Als Mutter von 12jährigen Zwillingen, alleinerziehend und
berufstätig, "wurde ich gezwungen, Rabenmutter zu werden", so Petri. "Erschwerend kommt hinzu, dass ich auch noch einen Beruf habe, der mir Spass macht. Das macht zusätzlich ein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Kindern", sagt Nina Petri. Ihr Plädoyer lautet: "Lasst uns dafür sorgen, dass wir uns von dem schlechten Gewissen befreien".

Über hundert Frauen und einige Männer beschäftigten sich an diesem Tag Themen rund um Mutterschaft: In den Arbeitsgruppen wurde diskutiert zu Partnerschaft, Berufstätigkeit, Freizeit und Erholung, Kindererziehung, Versorgung, soziale Absicherung und gesellschaftliche und politische Beteiligung von Müttern.

Der Vortrag von Martin Textor vom Staatsinstitut für Frühpädagogik in München, räumte auf mit dem Bild der Mutter hinterm Herd. Mütter waren immer erwerbstätig, egal on man das interkulturell oder historisch betrachtet, und somit auch immer "Rabenmütter". Erst im 19. Jahrhundert als Kinder nicht mehr als kleine Erwachsenen betrachtet wurden, sondern als Individuen, übernahm die Mutter die Sorge und Pflege des Kindes. Das ist die Zeit, in der die Idee von der Mutterliebe aufkam, der Kult der Häuslichkeit gepflegt und die Frau aus dem öffentlichen Leben verbannt wurde. Dieses bürgerliche Familienbild wurde im 20. Jahrhundert für die gesamte Gesellschaft übernommen. Zu den Erfindungen des 19. Jahrhunderts gehören auch Kinderheime, Kindergärten und die Jugendfürsorge. Die Geburt fand nicht mehr zu Hause statt, sondern in der Klinik und Erziehung wurde verwissenschaftlicht.

Heute gibt es laut Textor vor allem drei Mütterbilder: die traditionelle Mutter, die Anti-Mutter, die erfolgreich und unabhängig ist, und die Super-Mutter, die mit der einen Hand den Kinderwagen schiebt und mit der anderen Hand den Aktenkoffer trägt. Ein Spagat, der nicht zu schaffen ist. Darin waren sich Oliver Krieg von Emnid, der die von wellcome beauftragte Studie zur Befindlichkeit von Müttern in Deutschland vorstellte, und Textor einig.

Aus der Sicht von Oliver Krieg gibt es ein echtes Problem bei der Diskussion um Mütter: Alle sind Experten, denn alle haben eine Mutter oder sind selbst Mutter. Sein Fazit ist, dass es die Mutter als solches nicht gibt. "Selbst alle hier sitzenden Frauen, können die einzige, ideale Mutter nicht darstellen", sagt Krieg.

Ein echter Höhepunkt am späten Nachmittag war der Vortrag von Gisela Erler, Gründerin des pme Familienservice GmbH. Sie hatte bereits vor zwanzig Jahren an einem Müttermanifest mitgearbeitet und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen und Analysen zum Thema Familie. Ihr Vortrag, der immer wieder durch Beifall unterbrochen wurde, folgte der Leit-These: Die Familie muss Abschied nehmen von ihrer Vorstellung, alles alleine zu können und zu müssen und stattdessen anfangen, aktiv mit ihrer Umwelt zu kooperieren.